Donnerstag, 17. Oktober 2019

Augenoperation im BWK Ulm an einer 34 jährigen Frau von den Kapverdischen Inseln / Cabo Verde

Bei Frau Sonja Helena Pires Monteiro aus Santo Antao wird die schon massiv eingefallene Netzhaut des linken Auges wieder befestigt, um eine Erblindung dieses Auges zu verhindern.

 

Projektstart: Januar 2011
Vertragspartner:

Hospital Agostinho Neto in Praia / Santiago2. Militärregiment in Espargos / Sal, Cabo Verde

Unterstützer: Bundeswehrkrankenhaus Ulm / Augenabteilung
Ärzte und Apotheker aus den Reihen von FHF e.V.
Heimisches Handwerk und Industrie
Sachstand:

 

In der Nacht vom 12. zum 13. Januar 2011 erhielten wir eine Anfrage aus Cabo Verde, ob wir ggf. für eine junge Frau, die an beiden Augen Netzhautablösungen hat, eine Klinik zur Operation finden könnten.
Für uns kommt in solch einem Fall nur das BWK in Ulm in Betracht, welches wir sofort ansprachen und auch grünes Licht erhielten. Allerdings mussten schnellstens genaue Befunde und die persönlichen Daten der Patientin beigebracht werden, um endgültig handeln zu können.
Da aber der 13. Januar ein Feiertag in Cabo Verde ist, trafen die Unterlagen erst am frühen Nachmittag des 14. Januars bei uns ein. Aus den Unterlagen ging hervor, dass sich die Sehkraft der jungen Frau rasant verschlechtert, deshalb wurde sie von ihren Angehörigen nach Praia in die Klinik „Agostinho Neto“ gebracht.
Unsere Partner und die Angehörigen der jungen Frau waren allerdings schon beim französischen Honorarkonsul in Mindelo vorstellig geworden, um ihn zu bitten, bei der Französischen Botschaft in Praia diesen Notfall zu melden. (Die Französische Botschaft vertritt viele Europäische Staaten, die in Cabo Verde nicht selbst diplomatisch vertreten sind).
Noch bevor wir mit den erhaltenen Daten der Patientin offizielle Erklärungen abgeben konnten, erhielten wir von der Deutschen Botschaft in Dakar eine Mitteilung, dass die Französische Botschaft einen Notfall gemeldet bekommen hat, bei dem eine junge Frau die Ausreise nach Deutschland begehrt.
Die Deutsche Botschaft in Dakar teilte uns weiterhin mit, sollte es wirklich ein uns betreffender Notfall sein, so mögen wir doch direkt mit der Französischen Botschaft weiterarbeiten.
Sofort gingen alle erforderlichen Dokumente an die Französische Botschaft nach Praia und an den Französischen Honorarkonsul in Mindelo. Die Papiere beinhalteten auch eine ausführliche Erklärung zum Notfall, die Schilderung des Krankheitsverlaufes, welche aussagt, wie wichtig es ist, so schnell als möglich zu operieren. Daraufhin empfahl der Honorarkonsul den Angehörigen sofort die Botschaft in Praia aufzusuchen, um den Visa - Antrag zu stellen.
Doch in Praia wurden sie nicht vorgelassen und mussten nach dem dritten Versuch aufgeben. Eine kapv. Botschaftsangestellte erklärte ihnen, sollten sie weiter so aufsässig sein, bekämen sie überhaupt kein Visa, ansonsten können sie am Montag wieder vorsprechen.
Noch in der Nacht vom 14. Januar bekam FHF e.V. vom Konsularbeamten der Französischen Botschaft eine Entschuldigungs- E-Mail zu diesem negativen Vorfall mit dem Hinweis auf Überlastung.
Am Montag, dem 17. Januar, kam dann unerwartet eine E-Mail von der Französischen Botschaft die aussagte, dass man nur auf Weisung der Deutschen Botschaft ein Visum ausstellen wird, weil sich viele Kapverdier gern über diesen Weg ein Visa für Europa erschleichen wollen. Die Deutsche Botschaft gab jedoch grünes Licht, allerdings verzögerte die Französische Botschaft weiterhin.
Wir erhielten eine E-Mail die aussagte, „sollte der Notfall am 19. Januar noch bestehen, so könnte ein Visa - Antrag gestellt und das Visa am Nachmittag desselben Tages abgeholt werden“. (Man kann auch zwischen den Zeilen interpretieren, „wenn die Patientin bis Mittwoch noch nicht erblindet oder tot ist, kann ein Visa beantragt werden!“)

Da wir die Zustände in der Französischen Botschaft schon über Jahre hinweg verfolgen sind wir über solche Taktlosigkeiten, die schon an Menschenverachtung grenzen, nicht mehr überrascht.

FHF e.V. hatte seit 14. Januar täglich einen Flug für die Patientin nach Deutschland geblockt, um der jungen Frau so schnell als möglich die rettende Operation zu verschaffen.

Mit Unterstützung von TUI konnte die Patientin dann endlich am Nachmittag des 21. Januar nach Stuttgart ausgeflogen und sofort in das Bundeswehrkrankenhaus nach Ulm gebracht werden.

Der tragische Hintergrund dieses Falles wurde aber erst im Laufe der Visa - Verhandlungen deutlich.
Die junge Frau ist seit Geburt an leicht körperbehindert, ihr rechter Arm ist etwa 10 cm kürzer und an der rechten Hand hat sie nur Daumen und einen Finger.
Als sich bei Ihr im September 2010 die ersten Anzeichen einer Netzhautablösung andeuteten, wurde dies in der Augenabteilung vom Hospital „Dr. Baptista de Sousa“ in Mindelo sofort erkannt und ihr erklärt, man versuche eine Klinik im Ausland zu finden, in der sie operiert werden kann. Im Dezember 2010 wurde ihr dann mitgeteilt, dass das Gremium, welches für Notfälle zur Weiterleitung von Patienten ins Ausland zuständig ist, eine Weiterleitung nicht befürwortet, weil keine unmittelbare Lebensgefahr besteht. Die Vorsitzende in diesem Gremium ist die Leiterin der Augenabteilung vom Hospital „Dr. Baptista de Sousa“ in Mindelo, eine allzu gute Bekannte vieler Augengeschädigten von Cabo Verde.


 

 

 

 

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