Freitag, 24. Mai 2019

Augenoperation im BWK Ulm an einem Soldaten der kapverdischen Marine nach einem Arbeitsunfall

Der 2º Sargento CLÓVIS ALVES GOMES von der Guarda Costeira erlitt bei einem Arbeitsunfall eine schwere Verletzung am linken Auge. Im Bundeswehrkrankenhaus Ulm konnten sein Auge gerettet und die Sehkraft wieder hergestelt werden.

Projektstart: Januar 2011
Vertragspartner: FORÇAS ARMADAS DE CABO VERDE
Unterstützer: Bundeswehrkrankenhaus Ulm / Augenabteilung
Ärzte und Apotheker aus den Reihen von FHF e.V.
Sachstand:

Am 30.01.2011 erhielten wir einen Anruf vom kapverdischen Militär mit der Bitte zur Hilfe für einen Soldaten.
Bei einem Arbeitsunfall am 19.01.2011 hätte sich der kapverdische Soldat Clovis Alves Gomes am linken Auge verletzt und die Augenärzte in Mindelo sehen keine Chance sein Auge zu retten, teilte man uns mit. In einer E-Mail von einer Augenärztin auf der Hauptinsel Santiago erfuhren wir, dass der Soldat nur noch Lichtwahrnehmungen am Auge hat und vermutlich ein Fremdkörper im Auge steckt.
Wir sprachen die leitenden Augenärzte im Bundeswehrkrankenhaus Ulm an und baten um Rat. Nur mit einer sofortigen Operation kann das Auge des Soldaten gerettet werden, zudem besteht durch den Fremdkörper eine Vergiftungsgefahr, bekamen wir zur Antwort. Die Ärzte erklärten sich bereit, den Patienten zu übernehmen.
Sofort teilten wir diese Antwort dem Kommando in Mindelo mit und erhielten daraufhin die Bitte, alles zu versuchen, um dem Soldaten zu helfen.

Clovis nach der Operation im BWK Ulm

Clovis mit Frau Dr. Achilles und Sonia Monteiro

Clovis beim Abflug in München

 

Update 20.02.2011

Das Bundeswehrkrankenhaus in Ulm erkannte den Ernst der Lage, und sicherte eine sofortige Operation nach Ankunft des Patienten zu. Der FHF e.V. unternahm alle Anstrengungen, um für den jungen Soldaten ein Ausnahmevisum aufgrund des medizinischen Notfalls zu erhalten.
Am 02.02.2011 wurde Clovis Alves Gomes, mit Unterstützung von TUI nach Boa Vista geflogen, um dort mit TUIfly weiter nach München fliegen zu können. Durch ein Kommunikationsproblem war jedoch der freie Platz zwischenzeitlich irrtümlich in Hannover verkauft worden. TUI reagierte sofort und brachte den Patienten nach Sal. Am 03.02.2011, kurz nach Mitternacht, flog der Soldat mit TAP über Lissabon / Portugal nach München. Im BWK Ulm wurde der Operationstermin auf 15.00 Uhr festgelegt. Doch es kam anders als angenommen. In Lissabon ließ man den Patienten nicht weiterfliegen und erklärte die deutschen Papiere als dubios und nicht korrekt. Erst unter Einschaltung des Bundesinnenministeriums und eines Verbindungsbeamten in Brüssel ließen die Portugiesen den Notfallpatienten nach 12-stündigem Aufenthalt  weiterreisen. Die deutschen Papiere (nach Schengenrichtlinien) ignorierten sie weiterhin und stellten dem Patienten für 90.-- Euro ein Tagesvisum aus. In allen Schengenstaaten kostet ein Visum einheitlich 60.-- Euro (Ausnahmevisa für medizinische Notfälle sind gebührenfrei).
In München war die Bundespolizei am Flughafen auf die Ankunft des Patienten vorbereitet und stellte diesem sofort ein Visum aus. Drei Stunden später, um 2.30 Uhr am Freitagmorgen, erfolgte die stationäre Aufnahme im BWK Ulm. Um 9.30 Uhr wurde der Soldat erfolgreich operiert.
Bereits am 17.02.2011 konnte Clovis die Heimreise nach Cabo Verde antreten.

 

Update 24.11.2014

Anlässlich der Besprechungen bei ONDS in Mindelo Mitte Juli 2014 traf sich Wolfgang Hundt auch mit dem Soldaten Clovis.
Bei diesem Gespräch, an dem auch der neue Vorgesetzte von Clovis teilnahm, stellte sich heraus, dass Clovis wegen Eintrübung am operierten Auge eine Brille verschrieben bekommen hat. Allerdings war er seit seiner OP in Deutschland erst zweimal zur Nachkontrolle in der Poliklinik von Mindelo. Eine junge neue Augenärztin stellte die Diagnose wie er berichtete.
Um sicher zu gehen und Schaden vom operierten Auge abzuwenden, wurde abgesprochen, dass Clovis schnellstens zur Nachkontrolle nach Deutschland kommen muss.
Eine Woche später liefen die abgesprochenen Schritte zur Visabeantragung an.
Was bei der Patientin Maria Carlos nach langen und aufwendigen Verhandlungen klappte, war bei Clovis schon wieder hinfällig.
Die portugiesischen Beamten kümmerten sich nicht um Absprachen, noch akzeptierten sie die vorgelegten Papiere. Clovis musste nach Praia fliegen und dort seine biometrischen Daten abgeben. Anschließend erhielt er ein Visum mit einer Geltungsdauer von 30 Tagen und einer Einreise, (beantragt waren „multi" Einreisen mit einer Gültigkeitsdauer von einem Jahr).
Am 19.11.2014 traf er kurz vor Mitternacht in München ein, am 20.11.2014 um 9.30 Uhr war bereits die Nachkontrolle:
Die Diagnose „Eintrübung des operierten Auges" konnte nicht bestätigt werden. Bei einem Sehtest erzielte Clovis mit der ihm verordneten Brille eine Sehkraft von 120% auf beiden Augen!
Allerdings zeigte das linke Auge ein beginnendes Pterygium, eine dringende Behandlung war noch nicht nötig und wurde wegen des Einmal-Visums auch nicht in Betracht gezogen.
So flog er am 21.11.2014 auf einem Restplatz wieder zurück nach Cabo Verde.

 

 

 

 

 

 

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